Gelungener Auftakt – Breite Beteiligung zur Klimawandelanpassung in Kehl

Die Anpassung an die Folgen des Klimawandels stand im Fokus eines Workshops am Dienstag, 12. Oktober 2021 in der Stadthalle. Im Rahmen des LoKlim-Forschungsprojekts tauschten sich etwa 60 Akteure aus Politik, Verwaltung und Bürgerschaft zu den Auswirkungen des Klimawandels in Kehl aus und diskutierten Visionen für eine klimarobuste Zukunft. 

Bürgermeister Thomas Wuttke sprach von einem „fulminanten Auftakt zum Thema Klimawandelanpassung in der Stadt Kehl“. Der Workshop fand im Rahmen des Forschungsprojektes LoKlim der Universität Freiburg statt. Die Stadt Kehl ist Pilotkommune im Projekt. „Was wir hier tun kann Vorbild sein für andere Kommunen in Baden-Württemberg, Deutschland und ganz Europa“, so Bürgermeister Wuttke.

Um der Klimawandelanpassung als breitem Querschnittsthema gerecht zu werden, nahmen Fachleute aus den Bereichen Wirtschaft und Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft, Stadt- und Raumplanung sowie Natur- und Umweltschutz am Workshop teil.  Aus der Bürgerschaft wurden zufällig ausgewählte Personen verschiedenen Alters und Geschlechts zum Workshop eingeladen von denen sich über 20 Personen am Workshop beteiligten.

Im Fokus des ersten Workshops stand die Einführung zum Thema Klimawandel und die Entwicklung einer positiven Zukunftsvorstellung für das Jahr 2050 in Kehl. Projektleiterin Stefanie Lorenz stellte die aktuell schon starke Betroffenheit der Stadt Kehl von Hitze, Starkregen und Hochwasser vor. Die Ergebnisse der Klimaanalyse der Universität Freiburg gehen von einer starken Zunahme der heißen Tage mit über 30°C und der Tropennächte in der nahen und fernen Zukunft bis Ende des Jahrhunderts aus. „Die Hitze ist besonders für Kleinkinder, Menschen über 65 Jahren und chronisch Kranke Personen belastend“ erläuterte Lorenz die dahinterliegende Problematik.

Die Leiterin der Stadtplanung, Kora Herrmann, schilderte die aktuelle Betroffenheit der Stadt durch Hitze. Die Stadt hat deshalb schon vor zwei Jahren eine Stadtklimaanalyse erstellen lassen. Diese Analyse dient als Planungsgrundlage für Anpassungsmaßnahmen im Bereich Hitze. Der Leiter der Technischen Dienste, Bodo Kopp, wies auf die Überlastung der Kanalisation bei Starkregenereignissen hin. Problematisch sind für die Trinkwasserversorgung außerdem die im Sommer zunehmend hohen Wasserverbräuche für Gartenbewässerung und die Befüllung von Pools.  Von Seiten des Grünflächenmanagements ergänzte Peter Grün veränderten Anforderungen an Neupflanzungen und die bereits laufende naturnahe Gestaltung von öffentlichen Grünflächen, die in der Bürgerschaft nicht immer auf Gegenliebe stößt.

Positive Beispiele für eine erstrebenswerte Zukunft stellte im zweiten Teil der wissenschaftliche Mitarbeiter des LoKlim Projektes, Dennis Fila, vor. Das Konzept der Schwammstadt zum Regenwasserrückhalt auf kommunalen Flächen war hier genauso Thema wie die Renaturierung von Bachläufen, die Aufwertung von Parkflächen sowie die Dach-, Fassaden- und Straßendurchgrünung. Mit diesen Impulsen wurde in den Kleingruppen aufgeteilt nach Handlungsfeldern über Visionen für eine erstrebenswerte Zukunft der Stadt Kehl im Jahr 2050 diskutiert.  

In einer Gruppe wurde hierbei das Thema einer zukunftsfähigen Stadt Kehl vor dem Hintergrund des Klimawandels diskutiert. Die Teilnehmenden brachten hier visionäre Bilder wie „Die Natur zieht zurück in die Stadt“ in die Diskussion ein. Begrünung in allen Facetten von intensiver Dach-, Fassaden und Straßenbegrünung war hier ebenso Thema, wie die ökologische Gestaltung von Gewerbegebieten, die Reduzierung der Wohnfläche für den Einzelnen und die Umnutzung des Straßenraumes weg von Parkflächen hin zu mehr Grün, Bäumen und belebten Plätzen. Die zweite Gruppe bearbeitete das Thema „Wirtschaft und Verkehr klimaanagepasst gestalten“.  Hier wurde über die Steigerung der Aufenthaltsqualität in den von Hitze besonders betroffenen Gewerbegebieten mit Hilfe von Begrünung und das Aufstellung von Trinkwasserbrunnen gesprochen. Für den Hafen wurde der Wunsch formuliert die Wasserstraßen zukünftig besser und kontinuierlich nutzen zu können. Die Teilnehmenden sprachen sich auch hier für weniger Parkraum und mehr Entsiegelung im Straßenraum aus. In einer dritten Gruppe wurde die Frage diskutiert wie soziale Einrichtungen und Umwelt fit gemacht werden können für eine klimagerechte Zukunft. Die Teilnehmenden fanden hier viele Schnittstellen zwischen sozialen und grünen Themen. Zum Beispiel die Thematisierung von Klimaanpassung in Kindergärten und Schulen, um eine frühzeitige Sensibilisierung zu ermöglichen. Die Anlage von Gemeinschaftsgärten im Stadtgebiet sowie die Entsiegelung von Schulhöfen und Plätzen.  Schließlich beschäftigte sich die vierte Gruppe mit der Frage, wie eine klimarobuste Landwirtschaft und Gewässerstruktur aussehen kann.  Das Konzept der Schwammstadt wurde hier um das „Schwammland“ also die Rückhaltung von Regenwasser nicht nur in der Stadt, sondern auch auf den Flächen im Umland ergänzt und eine neue „Wasserkultur in der Innenstadt“ angeregt. Die Notwendigkeit einer Reduzierung der Bewässerung in der Landwirtschaft wurde hier auch benannt genauso wie eine verstärkte Aufnahme von regionalen Kooperationen.